Montag, 10. Juni 2019 10:17 Uhr

Hohe Einstiegshürden bei der Qualifizierung - Weiterbildungstag beleuchtet Situation von geflüchteten Frauen und präsentiert spezielle Angebote aus der Region

Region Kassel (r). "Jede Frau ist anders!" Unter diesem Motto trafen sich 50 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Beratungsstellen aus Nordhessen im Hermann-Schafft-Haus, um sich über die Situation geflüchteter Frauen auf dem Arbeitsmarkt auszutauschen. Begrüßt wurden sie von Walter Lochmann vom ver.di Bildungswerk. Lochmann kritisierte dabei, dass die Wartezeiten für einen Integrationskurs für Geflüchtete inzwischen auf über acht Monate angewachsen ist. Darüber hinaus fehle es häufig an einer Aufschlüsselung nach Geschlechtern.

Anschließend sprach Professorin Dr. Schahrzad Farrokzhad, stellvertretende Leiterin des Instituts für interkulturelle Bildung und Entwicklung an der Technischen Hochschule Köln, über die von ihr als Wissenschaftlerin beobachteten Tendenzen. So steigt der Anteil der weiblichen Geflüchteten und liegt zurzeit bei 42,7 Prozent. Viele der Frauen wollen arbeiten und streben eine unabhängige Lebensführung an. Erschwert wird ihr Einstieg häufig durch die Flucht verursachte psychische Belastungen. Zudem, so Farrokzhad, seien die Einstiegshürden für Frauen wegen mangelnder Kinderbetreuung und fehlenden Qualifizierungsangeboten relativ hoch.

"Wenn Frauen an Maßnahmen teilnehmen, erzielen sie oft bessere Ergebnisse als die Männer", erklärte die Wissenschaftlerin. Kulturelle Barrieren und Besonderheiten gebe es vor allem für Frauen, die in traditionalistischen Milieus leben. "Hier werden gute Erfahrungen gemacht, wenn es einen Mix aus arbeitsmarktpolitischen und freizeitorientierten Angeboten zur Vernetzung gibt", so Farrokzhad. Ein Problem für die gut Qualifizierten sei, dass es mit höheren Abschlüssen häufig schwerer ist, Praktikumsplätze zu erhalten.

Zum Abschluss der Fachtagung appellierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Arbeitgeber und Gewerkschaften gegen Auswüchse vorzugehen. So werden Geflüchtete - vor allem wenn die Aufenthaltsgenehmigung oder Duldung an ein Ausbildungsverhältnis geknüpft ist - in Einzelfällen ausgebeutet. Die Trennung in Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive und mit schlechter Bleibeperspektive erschwere zudem die Integration dringend benötigter Arbeitskräfte, so der Tenor.

Foto: Symbolbild

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